Imre Kertész

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Imre Kertész in Szeged, 2007

Imre Kertész [[ˈimrɛ ˈkɛrte:s]] (* 9. November 1929 in Budapest; † 31. März 2016 ok dor[1]) weer en ungarsch Schriever vun jöödsch Afstammen. He kreeg 2002 den Nobelpries för Literatur.

Biografie[ännern | Bornkood ännern]

Imre Kertész wurr an' 9. November 1929[2] in Budapest boren.[3] Wegen sien jöödsch Abstammung wurr he mit veerteihn Johren in' Juli 1944[4] (in den Verloop vun en gegen Miklós Horthy rich Gendarmerieputsch in Budapest, de aber letztlich scheef gung)[5] över Auschwitz in da Konzentratschonslager Buchenwald un in de sien Butenlager Wille in Tröglitz/Rehmsdorf bi Zeitz verschleppt.[6] An' 11. April 1945 wurr he befreet[7] un kehr nah Budapest torüch. Disse hüm tietlevens präägen Tiet in dat Lager hett he toeerst in den 1973 fardigstellten Roman eines Schicksallosen verarbeit.

Nah sien Abitur 1948 funn Kertész van 1949 bit 1950 en Anstellung as Journalist bi dat Daagblatt Világosság, de he aber weer upgeven muss, wiel de to dat Parteiorgan vun de Kommunisten nömmt wurr. Doruphen hett he eerst in en Fabrik un denn in de Presseafdeelen vun dat Ministerium för Maschinenbau un Hüttenwesen arbeit. Enn' 1951 wurr he to'n Militärdeenst intrucken.

Nah sien Militärdeenst 1953 fung Kertész in Budapest as free Schriever un Översetter an to arbeiten. Sien Schrieverarbeit wurr in sien Heimat besünners nah den Volksupstand 1956 dör de kommunistische Diktatur inschränkt. Sien Levensunterholt hett he tonächst mit dat Schrieven vun Texten to Musicals un lütt Theaterstücken, de he aber nich to sien schriftstellerisch Wark tellt, bestreeden. As Översetter hett he ünner annern Warken vun Friedrich Nietzsche, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Sigmund Freud, Joseph Roth, Ludwig Wittgenstein un Elias Canetti överdragen, de allesamt sien eegen Wark entscheedend präägt hemm.

1953 hett Kertész sien latere Fru Albina Vas kennenlehrt, mit de he bit to hör Dood 1995 tosommen leevt hett.

1960 fung he mit de 13-johrig Arbeit an dat Book Roman eines Schicksallosen an, dat to en vun de bedüüdenst Warken över den Holocaust tellt un dat sien Ruhm begrünnen dee. De meesten vun sien Texte sünd autobiographisch inspireert. Sien jüngste Book Letzte Einkehr. Ein Tagebuchroman, de Kertész sülvst as Afsluss vun sien Wark betekent hett, keem 2014 herut (up düütsch 2015).

En breedere Rezeptschoon vun sien Arbeit hett eerst nah 1989 insett. Nu endlich wurr he ok in' Westen bekannt (wobi de Kritikerin Eva Haldimann all siet März 1977[8] in de Swiezer Neue Zürcher Zeitung Rezensionen vun sien ungarsch Warken schreev),[9] sien Warken wurrn översett, un he harr to'n eersten Mal en grötter Publikum.

1996 hett Kertész in tweet Ehe de ut Ungarn stammen Amerikanerin Magda Ambrus-Sass heiraadt. 2001 nehm Kertész tonächst en Arbeitswahnen in Berlin un leev sluutend mit sien Fru düersam in Berlin.

2002/2003 weer he Fellow an dat Wetenschapskolleg to Berlin, von de he en Förderung to de Fardigstellung vun sien Roman Liquidation kreeg. 2002 wurr Kertész de Nobelpries för Literatur tospraaken.

An' 29. Januar 2007 weer Kertész Gastredner in' Düütschen Bundsdag to'n Anlaat vun den offiziellen Gedenkdag to de Befreen vun dat Konzentratschonslager Auschwitz. In den Tosommenhang hett he ut sien Roman Kaddisch für ein nicht geborenes Kind vörleest.[10]

In' November 2012 wurr in de Berliner Akademie der Künste dat Imre-Kertész-Archiv de Apenlichkeit präsenteert. Kertész harr all siet Enn' 2001 dat Museum Manuskripte un Korrespondenz överlaaten.[11]

In' November 2012 truck Kertész wegen sien fortschreiten Parkinson-Erkrankung[12] weer nah Budapest: „Ich habe Parkinson, sonst wäre ich nie zurückgekommen.“[13] Tatsächlich stunn he sien Heimatland kritisch tegenöver. 1990 hett he all den ungarschen Schriftstellerverband verlaaten, över den he 2004 to'n Anlaat vun antisemitisch Vörfälle, de en gröttere Uttrittswelle to Folge harrn, ok en polemischen Essay verfaat hett.[14] Kritisch över Ungarn hett he sück wiederhen in twee Interviews van 2009 ütert.[15][16] As he aber 2014 vun Ministerpräsident Viktor Orbán för den Sankt Stephans-Orden nomineert wurr,[17] nehm he dissen hööchsten ungarschen Staatspries trotz de Gefohr vun en politisch Innehmen vun sien Person an, denn he seech de Notwendigkeit, in sien Land en „Konsens“ hertostellen.[18] As sien Verlag mitdeelt hett, is Imre Kertész an' 31. März 2016 storven.[19]

Warken (in düütsch Översetten)[ännern | Bornkood ännern]

  • Mensch ohne Schicksal. (Orig.: Sorstalanság.) Översett vun Jörg Buschmann. Rütten und Loening, Berlin 1990, ISBN 3-352-00341-6.
  • Kaddisch für ein nicht geborenes Kind. (Orig.: Kaddis a meg nem született gyermekért.) Översett vun György Buda un Kristin Schwamm. Rowohlt, Berlin 1992, ISBN 3-499-22574-3.
  • Galeerentagebuch. (Orig.: Gályanapló.) Översett vun Kristin Schwamm. Rowohlt, Berlin 1993, ISBN 3-499-22158-6.
  • mit Péter Esterházy: Eine Geschichte. Zwei Geschichten. Översett vun Kristin Schwamm un Hans Skirecki. Berlin Verlag, Berlin 1994. Neeutgaav: mit Péter Esterházy un Ingo Schulze: Eine, zwei, noch eine Geschichte/n. Berlin Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-442-76202-6.
  • Eine Zurückweisung. Book un CD to'n Brannenborgschen Literaturpries 1995. Brandenburgisches Literaturbüro, Vacat, Potsdam 1995, ISBN 3-930752-07-7.
  • Roman eines Schicksallosen. (Orig.: Sorstalanság.) Nee översett vun Christina Viragh. Rowohlt, Berlin 1996, ISBN 3-499-22576-X.
  • Ich – ein anderer. (Orig.: Valaki más.) Översett vun Ilma Rakusa. Rowohlt, Berlin 1998, ISBN 3-87134-334-X.
  • Die englische Flagge. Erzählungen. Översett vun György Buda un Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek b. Hamborg 1999, ISBN 3-498-03518-5.
  • Eine Gedankenlänge Stille, während das Erschießungskommando neu lädt. Essays. Översett vun György Buda un annern. Rowohlt, Reinbek b. Hamborg 1999, ISBN 3-499-22571-9.
  • Fiasko. (Orig.: A kudarc.) Übersetzt von György Buda u. Agnes Relle. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-499-22571-9.
  • „Heureka!“. Reed to'n Nobelpries 2002. Översett vun Kristin Schwamm. Suhrkamp, Frankfort an'n Main 2002, ISBN 3-518-06702-8.
  • Der Spurensucher. Erzählung (Orig.: A nyomkereső). Översett vun György Buda. Suhrkamp, Frankfort an'n Main 2002, ISBN 3-518-22357-7.
  • Schritt für Schritt. Drehbuch zum „Roman eines Schicksallosen“. Översett vun Erich Berger. Suhrkamp, Frankfort an'n Main 2002, ISBN 3-518-12292-4.
  • Liquidation. (Orig.: Felszámolás.) Översett vun Laszló Kornitzer u. Ingrid Krüger. Suhrkamp, Frankfort an'n Main 2003, ISBN 3-518-41493-3.
  • Die exilierte Sprache. Essays und Reden. Vörwoort vun Péter Nádas, översett vun Kristin Schwamm, György Buda u. a., Suhrkamp, Frankfort an'n Main 2004, ISBN 3-518-45655-5.
  • Detektivgeschichte. (Orig.: Detektívtörténet.) Översett vun Angelika un Péter Máté. Rowohlt, Reinbek b. Hamborg 2004, ISBN 3-498-03525-8.
  • Protokoll. Erzählung. Mit Zeichnungen von Kurt Löb, übersetzt von Kristin Schwamm. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2004, ISBN 3-85165-654-7.
  • Dossier K.: eine Ermittlung. (Orig.: K. dosszié.) Översett vun Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek b. Hamborg 2006, ISBN 3-498-03530-4.
  • Heureka! Gespräche und eine Rede. Mit Radierungen vun Susanne Thuemer. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2006, ISBN 3-85165-654-7.
  • Man musste durch die Hölle gehen. In: Martin Doerry (Hrsg.): Nirgendwo und überall zu Haus. Gespräche mit Überlebenden des Holocaust. DVA, München 2006, ISBN 3-421-04207-1, S. 152–159. (ok as CD)
  • Opfer und Henker. Erzählungen. Översett vun Christian Polzin, Ilma Rakusa, Agnes Relle un annern. Transit, Berlin 2007, ISBN 978-3-88747-220-7.
  • Die letzte Einkehr – Doktor Sonderberg. Vorabdruck der Einleitung eines in Arbeit befindlichen Textes, översett vun Ilma Rakusa. Neue Zürcher Zeitung, 7. November 2009. (Online)
  • Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. Prosafragment. Översett vun Kristin Schwamm, Adan Kovacsics. Rowohlt Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-498-03562-4.
  • Letzte Einkehr. Ein Tagebuchroman. Prosafragmente. Översett vun Kristin Schwamm, Adan Kovacsics un Ilma Rakusa. Rowohlt Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-499-26910-3.
  • Der Betrachter. Aufzeichnungen 1991–2001. Översett vun Heike Flemming un Lucy Kornitzer. Rowohlt, Berlin 2016, ISBN 978-3-498-03561-7.

Breef

  • Briefe an Eva Haldimann. Übersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek b. Hamborg 2009, ISBN 978-3-498-03545-7.

Literatur[ännern | Bornkood ännern]

  • Eva Haldimann: Momentaufnahmen aus dreißig Jahren ungarischer Literatur. Corvina Verlag, Budapest 1987, ISBN 963-13-4202-6.
  • Jan Philipp Reemtsma: Überleben als erzwungenes Einverständnis. Gedanken bei der Lektüre von Imre Kertész’ „Roman eines Schicksallosen“. Vördrrag, 1999. In: Jan Philipp Reemtsma: Warum Hagen Jung-Ortlieb erschlug. Unzeitgemäßes über Krieg und Tod. (= Beck’sche Reihe 1508). C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49427-7, S. 220–249.
  • Mihály Szegedy-Maszak, Tamás Scheibner (Hrsg.): Der lange, dunkle Schatten: Studien zum Werk von Imre Kertész. Passagen, Wien 2004, ISBN 3-85165-654-7.
  • Zsuzsa Selyem: Der Roman, in dem „die Neunte Symphonie zurückgenommen worden sei“. Über die Funktion der Rücknahme in den Romanen „Liquidation“ von Imre Kertész bzw. „Doktor Faustus“ von Thomas Mann. In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften. 1/2006, S. 63–81.
  • László F. Földényi, Akos Doma: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch. Rowohlt, Reinbek 2009, ISBN 978-3-498-02122-1.
  • Adam Zagajewski: Über die Treue. Imre Kertész’ geduldige Arbeit am Mythos des Romans. In: Sinn und Form. 6/2009, S. 751–756.
  • Daniel Kehlmann: Schicksallosigkeit. Rede auf Imre Kertész. In: Sinn und Form. 1/2010, S. 135–138.
  • Dietmar Ebert (Hrsg.): Das Glück des atonalen Erzählens. Studien zu Imre Kertész. Edition AZUR, Dresden 2010, ISBN 978-3-942375-01-6.
  • Bernhard Sarin: Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre Kertész. Universitätsverlag Potsdam, 2010, ISBN 978-3-86956-086-1 (PDF; 3.7 MB).
  • Irene Heidelberger-Leonard: Imre Kertész. Leben und Werk. Wallstein, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1642-3.

Interviews[ännern | Bornkood ännern]

Enkeld Nahwiesen[ännern | Bornkood ännern]

  1. Verlag teilt mit: Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz gestorben. Bi focus.de, 31. März 2016 (afropen an' 31. März 2016).
  2. Tilman Krause interviewt Imre Kertész anlässlich seines 80. Geburtstags: In Ungarn haben Antisemiten das Sagen. Die Welt, 5. November 2009 (online up welt.de).
  3. Biografisch Daten nah Imre Kertész: Galeerentagebuch. Über den Autor. S. 319; Imre Kertész: Dossier K. Lebensdaten. S. 236f, falls nich anners angeven.
  4. Imre Kertész: Galeerentagebuch. S. 282f (Indrag van' Juni 1990).
  5. Imre Kertész: Dossier K. S. 9f.
  6. Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 3: Sachsenhausen. Buchenwald. Beck Verlag, München 2006, ISBN 3-406-52963-1: „Im Lager inhaftiert waren […] hauptsächlich ungarische Juden, die über Auschwitz nach Buchenwald und von dort zur Zwangsarbeit in das Außenlager ‚Wille‘ transportiert wurden. Zu ihnen gehörte auch Imre Kertész.“, S. 593.
  7. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. Indrag van' 11. April 2004: „Heute vor 59 Jahren bin ich in Buchenwald befreit worden.“, S. 281.
  8. Ilma Rakusa: Das Recht auf Individualität. NZZ, 12. Oktober 2009.
  9. Imre Kertész: Briefe an Eva Haldimann. / Eva Haldimann: Momentaufnahmen aus dreißig Jahren ungarischer Literatur.
  10. Informatschoonssiet vun den Düütschen Bundsdag över Kertész. 29. Januar 2007, afropen an' 24. Februar 2011.
  11. Pressemitteilung der Akademie der Künste Berlin, 31. Oktober 2012.
  12. Der Spiegel, Nr. 46/2012, Die Wege des Schicksals. S. 148 (online up: spiegel.de).
  13. Imre Kertész in' Gespräch mit Iris Radisch: Ich war ein Holocaust Clown. In: Die Zeit. 21. September 2013, S. 47. (online up: zeit.de).
  14. Imre Kertész: Ein Mythos geht zu Ende. Im ungarischen Schriftstellerverband herrscht offener Antisemitismus. Seine Ursachen reichen weit zurück. Översett vun Peter Máté. In: Die Zeit. 1. April 2004, S. 59. (online up: zeit.de).
  15. Tilman Krause interviewt Imre Kertész: In Ungarn haben Antisemiten das Sagen. In: Die Welt, 5. November 2009. (online up welt.de); Ungarn diskutiert über das WELT-Interview von Imre Kertész. In: Die Welt, 10. November 2009. (online up welt.de).
  16. Meghamisították Kertész szavait / Die Worte von Kertész sind verfälscht worden. up: Duna TV. online, 9. November 2009, 19:03.
  17. Umstrittene Ehrung für Autor Imre Kertész. In: Der Standard, 20. August 2014. (online up: derstandard.at).
  18. Staatsorden für ungarischen Literaten. Imre Kertész verteidigt Annahme. In: taz, 20. August 2014 (online up taz.de).
  19. Andreas Breitenstein: Zum Tod des Schriftstellers Imre Kertész: Das Unfassliche beschreiben. In: Neue Zürcher Zeitung, 31. März 2016.

Weblenken[ännern | Bornkood ännern]

Commons-logo.svg Imre Kertész. Mehr Biller, Videos oder Audiodateien to’t Thema gifft dat bi Wikimedia Commons.