Eric Richard Kandel

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Eric Kandel in Wien bi de Lang Nacht vun de Forschung

Eric Richard Kandel (* 7. November 1929 in Wien) is en US-amerikaansch Neurowetenschapler vun öösterrieksch Herkunft. Hüm wurr in dat Johr 2000 de Nobelpries för Physiologie oder Medizin tospraaken.

Leven[ännern | Bornkood ännern]

Jöögd un Studium[ännern | Bornkood ännern]

Eric Kandel wurr 1929 as tweet Söhn vun den Speelwarenhändler Hermann Kandel un de sien Fru Charlotte, borene Zimels, in Wien boren. De Familie hett an‘ Alsergrund, in den 9. Bezirk vun de Stadt, in de Severingasse 8 nich wiet vun dat Technologisch Gewerbemuseum, en höhgere technische School, wahnt.[1] Nah den „Ansluss“ vun Öösterriek dör deNatschonalsozialisten 1938 harr Eric massive Probleme in‘ Olldag: In de Schollklass hett kien Kind mehr mit hüm, den Jöden snackt. 1939 muss Kandel mit sien Familie in de Vereenigt Staaten utwannern, wiel de Antisemitismus in Öösterriek levensbedrohlich wurrn weer. „Ich hatte Furcht davor, die Straße zu überqueren, aber ich ging mit meinem 14-jährigen Bruder über den Atlantik!“, hett he 2009 in dat düütsch Feernsehn seggt.

Den Rest vun sien Grundschooltiet hett he up de Jeschiwa in Flatbush, en Stadtdeel vun New York verbrocht, bit he 1944 up de Erasmus Hall High School in Brooklyn wesselt is, wo he anfung, sück för Geschichte un Literatur to interesseeren. Dor wurr hüm as een vun twee Schölern, de ünner mehr as 1.400 Bewerbern utwählt wurrn, en Stipendium för en Studium an de Harvard University bewilligt. 1945 kreeg he de amerikaansch Staatsbörgerschap.

To de Neurowetenschapen keem Kandel över en befrüend Kommilitonin, deren Öllern övertüügt Anhänger vun de Freudsche Theorie to de Psychoanalyse weern. So weer Sigmund Freud de Oorsaak för Kandel sien Interesse an de Biologie vun de Motivatschoon as ok vun dat bewusst un unbewusst Gedächtniss. He weer all as Psychoanalytiker, as Freud sülvst, de Upfaaten, dat all psychisch Vörgänge un Symptome letztlich physiologische Vörgänge in dat Gehirn sünd. Entsprekend hett he sück ünner annern ok all immer mit de Fraag befaat, wu en spoodriek psychoanalytische Behanneln dat Gehirn verännert.

Forschung[ännern | Bornkood ännern]

In‘ Harvst 1952 is Kandel up de New York University wesselt, um dor Medizin to studeeren un sluutend Psychiater/Psychoanalytiker to wurrn. Gegen Enn‘ vun sien Studientiet hett he sück aber, anners as de meesten annern Psychiater vun sien Tiet, dorför entscheed, nich de psychologischen, sonnern de biologischen Vörgänge vun dat Gehirn nauer to ünnersööken un to erforschen. In disse Tiet hett he sien tokünftige Fru Denise Bystryn kennen lehrt.

Wenige Tiet later fung he an, an de Columbia University in dat Labor vun Harry Grundfest (1904–1983), en New Yorker Neurobiologen, to forschen. De anner Forscher, mit de Kandel dor tosommenarbeiten dee, weern mit Överleegen över de technisch bannig komplizeert Upteeken vun elektrisch Aktivität vun de relativ lütt Neuronen in de Gehirne vun Wirbeldeerten befaat.

Nahdem he anfangen harr, sück dör dat stuur Rebeet vun de Elektrophysiologie vun de Groothirnrinde to arbeiten, weer he vun den Fortschritt, den Stephen William Kuffler mit en dör Experimente togänglicher System maaken dee, bannig beindruckt. De hett Neuronen vun marinen Wirbellosen isoleert, um se denn wieder to verwennen.

1957 is Kandel to dat Laboratory of Neurophysiology vun dat National Institutes of Health wesselt un hett dor sien Arbeiten to elektrophysiologisch Upteeknungen bi Neuronen ut de Region vun den Hippocampus wieder führt, besünners, um heruttofinnen, of de Hippocampus an‘ Perzess vun dat Spiekern vun Erinnerungen in dat Gehirn un dat Sück-Erinnern direkt bedeeligt is. Allerdings kunn he kien Anhaltspunkte dorför finnen, dat de Hippocampus för de Erinnerungsfähigkeit vun den Minschen verantwortlich is. He hett sehn, dat dat Gedächtnis mit de synaptischen Verbinnen tüschen de Neuronen tosommengangen muss un dat de Hippocampus mit sien komplexen Verflechtungen nich goot dorto to gebruuken weer, de nipp un nau Funktschoon vun de Synapsen uttoforschen. He wuss buterdem, dat vergliekbor Verhollensstudien bispeelswies vun Konrad Lorenz, Nikolaas Tinbergen un Karl von Frisch tomindst en minn Lernfähigkeit bi all Deerten nahwiest harr. So hett he sück dorto entslaaten, sien Versöök an en weniger komplex Deertenaart dortoführen, um so sien elektrophysiologischen Analysen an Synapsen to vereenfacken. He hett glöövt, dat he de Ergevnisse vun sien Studien denn up den Minschen un sien Gehirn överdragen to können. Sien Entscheeden weer nich ahn Risiko, wiel völ – vör allen öllere – Biologen meenen deen, dat dör dat Studium vun de Physiologie vun de Wirbellosen nich völ över de minschliche Erinnerungsfähigkeit herutfunnen wurrn kunn.

Aplysia californica

Aplysia, en Meeressneegel, mit de Kandel Forschungen bedreev

1962 gung Kandel nah Paris, um sück dor mit den Kalifoornsch Seehaas (Aplysia californica), en Meeressneegel, to befaaten. He harr faststellt, dat eenfack Formen vun den Lernen as bispeelswies de Sensitivierung as ok klassische un operante Konditschonierung ok an eenzelt Ganglia vun de Aplysia ünnersöcht weern können.

Wiels dat Verhollen vun en eenzelt Ganglienzelle beobacht wurrd, kunn en Axon, dat to’n Ganglion führt, licht stimuleert wurrn un so as taktiler Stimulus ageeren, wiels en anner Axon as Pien-Stimulus bruukt wurrn kunn. Dorbi muss de sonst bi natüürlich Stimulatschoonen bi Wirbeldeerten befolgte Afloop inhollen wurrn.

Elektrophysiologische Verännern, de vun de tosommenwirken Stimuli utlööst wurrn, kunnen denn up spezifische Synapsen torüchführt wurrn. 1965 hett Kandel de Ergevnisse vun sien Studien bekannt maakt.

New York Medical School

Later övernehmen Kandel eb Posten in dat Department of Physiology and Psychiatry vun de New York Medical School, wo he mithelpen dee, de Afdeelen för Neurobiologie un Verhollenwetenschapen uptobauen. Hier fung he mit eenig Kollegen an, Forschungen to Kört- un Langtietgedächtnis to maaken.

1981 gelung dat den Liddmaaten vun de Forschergrupp, dat Aplysia-System up en Studie över klassische Konditschonierung uttowieden, wat letztendlich hulp, de Lücke, de sück tüschen den eenfack Formen vun dat Lernen, de mit weniger entwickelten Deerten as den Wirbellosen in Verbinnen brocht wurr, un de komplexeren Lernvörgängen vun de Wirbeldeerten updaan harrn, to sluuten.

Neben de fundamentalen Verhollnsforschung hemm de Forscher ok de Vernetten vun de verscheeden Nervenzellenarten, de in den Lernperzess verwickelt sünd, beobacht. Dat leet en nipp un nau Analyse vun de Synapsen to, de dör dat Lernen bi Deerten verännert wurrn. De Laborergevnisse hemm de These ünnerstütt, dat Lernen en funktschonale Verännern vun de Effektivität vun all tovör vörhannen Verknütten weer.

Molekulare Verännern bi den Lernperzess

Siet 1966 hett James Schwartz mit Kandel an en biochemische Analyse vun Verännern in Nervenzellen arbeit, de mit dat Lernen un de Erinnerung to doon hemm. To disse Tiet weer bekannt, dat en Spiekern vun Dingen in dat Langtietgedächtnis, annes as in dat Körttietgedächtnis, de Herstellung vun speziellen Eiwitten vörutsett. 1972 keemen se to de Erkenntnis, dat in den Ganglien vun de Aplysia ünner Bedingungen, de dat Spiekern in dat Körttietgedächtnis hervörropen, de Second Messenger cAMP herstellt wurrd. 1974 wurr herutfunnen, dat de Neurotransmitter Serotonin, de an de Herstellung vun cAMP bedeeligt is, molekular direkt to en Sensibiliseeren gegen en bestimmten Reflex führen kann.

1983 hett Kandel hulpen, dat Howard Hughes Medical Institute för molekulare Neurowetenschapen an de Columbia University uptobauen. Mit sien Laborkollegen is he wieder bigahn, de Proteine to identifizeeren, de hertostellen sünd, um Körttietgedächtnis in Langtietgedächtnis umtowanneln. In Tosommenarbeit mit anner Forschern wurr de Transkriptschonsfaktor CREB (engelsch: cAMP response element binding protein) opdeckt un sien Rull as en to dat Langtietgedächtnis bidragen Protein nahwiest. En Folg vun de Aktiveeren vun CREB is en Stiegern vun de Tall vun synaptisch Verbindungen. Dorut hett man slooten, dat dat Körttietgedächtnis en Folg vun funktschonalen Verännern in all existeeren Synapsen is un dat Langteitgedächtnis ut en Ännern in de Gesamttall vun de Synapsen hervörgeiht.

Eenig vun de synaptischen Verännnern, de in Kandel sien Labor opdeckt wurrn, sünd Bispeelen för Lernvörgänge nah de Hebbsche Lernregel. So beschrifft en vun de Publikatschonen (Activity-dependent presynaptic facilitation and hebbian LTP are both required and interact during classical conditioning in Aplysia) de Rull vun dat Hebbsche Lernen bi den Aplysia siphon-withdrawal reflex.

Buterdem wurrn in dat Labor bedüüdend Versöök mit künstlich genmuteert Müüs to de Söök nah de molekulare Basis för Erinnerungsfähigkeit in den Hippocampus vun Wirbeldeerten dörführt. De oorsprünglich Vermooden vun Kandel, dat bestimmte Lernmechanismen sück bi all Levewesen wiesen, hett sück as richtig herutstellt. Dat wurr faststellt, dat Neurotransmitter, Second Messenger, Proteinkinasen, Ionenkanäle un Transkriptschonsfaktoren as CREB sowohl bi Wirbeldeerten as ok bi Wirbellosen an Lern- un Spiekerungsvörgängen bedeeligt sünd.

Utteknungen[ännern | Bornkood ännern]

Kandel is buterdem Dräger vun den düütschen Orden Pour le mérite för Wetenschap un Künste un dat Öösterrieksch Ehrenteeken för Wetenschap un Kunst. De Hertie-Stiftung vergifft den mit 75.000 Euro doteerten Eric Kandel Young Neuroscientists Prize.

2015 wurr dat Gymnasium Am Heimgarten in Ahrensburg in Eric-Kandel-Gymnasium nee nömmt.[2]

Familie[ännern | Bornkood ännern]

Eric Kandel is siet 1956 mit de Sozialmedizinerin un Epidemiologin Denise Kandel, boren 1933 as Denise Bystryn in Paris, verheiraadt. Se hemm twee Kinner.

Zitat[ännern | Bornkood ännern]

„ [...] Im Moment träume ich von Wien, der Stadt, in der ich geboren bin und aus der ich als Kind vertrieben wurde. Ich bin dort in diesem Jahr Ehrenbürger geworden, ein bittersüßer Moment. Ich träume davon, dass Österreich seine Vergangenheit aufarbeitet. Die Integrität und Offenheit, mit der Deutschland die Hitler-Zeit untersucht und eine Demokratie geformt hat, ist vorbildlich. Von solcher Transparenz ist in Österreich nichts zu spüren.
Ich träume von Wissenschaftlern, besonders von jungen jüdischen Wissenschaftlern, die wieder nach Wien kommen. Dass die Universität von Wien, die moralische Instanz, an einem Teil der Ringstraße liegt, die nach dem Antisemiten Karl Lueger benannt wurde, ist nicht zu akzeptieren. Dieser ehemalige Wiener Bürgermeister hat Hitler erst gezeigt, dass man mit Antisemitismus Wahlen gewinnen kann.
Es ging so viel verloren. Ich wünsche mir den Wiederaufbau einer jüdischen Gesellschaft in Wien. Meinetwegen nennen Sie das meschugge.“[3]

De Dr.-Karl-Lueger-Ring wurr 2012 in Universitätsring nee nömmt.

Schriften[ännern | Bornkood ännern]

  • Cellular basis of behavior: an introduction to behavioral neurobiology. Freeman, San Francisco 1976.
  • Behavioral biology of Aplysia: A Contribution to the Comparative Study of Opisthobranch Molluses. Freeman, San Francisco 1979.
  • Hrsg. mit James H. Schwartz, Thomas M. Jessell, Steven A. Siegelbaum, and A. J. Hudspeth: Principles of neural science. 5. Uplaag, 1760 Sieden, McGraw-Hill, New York 2013, ISBN 978-0-07-139011-8. (Toeerst rutbrocht 1981 bi Elsevier.)
  • Molecular neurobiology in neurology and psychiatry. Raven, New York 1987.
  • Hrsg. mit James H. Schwartz, Thomas M. Jessel: Essentials of neural science and behavior. Appleton & Lange, Norwalk 1995.
    • Neurowissenschaften: eine Einführung. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelbarg/Berlin/Oxford 1996, ISBN 3-86025-391-3.
  • Mit Larry R. Squire: Memory. From Mind to Molecules. Scientific American Library, New York 1999.
    • Gedächtnis. Die Natur des Erinnerns. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelbarg/Berlin/Oxford 1999, ISBN 3-8274-0522-X.
  • In search of memory: the emergence of a new science of mind. Norton, New York 2006.
    • Auf der Suche nach dem Gedächtnis. Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes. Siedler, München 2006, ISBN 3-88680-842-4.
  • Psychiatry, psychoanalysis and the new biology of mind. American Psychiatric Publishing, Washington 2005.
    • Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes. Suhrkamp, Frankfort an’n Main 2006, ISBN 3-518-58451-0.
  • The age of insight: the quest to understand the unconscious in art, mind, and brain, from Vienna 1900 to the present. Random House, New York 2012.
    • Das Zeitalter der Erkenntnis: Die Erforschung des Unbewussten in Kunst, Geist und Gehirn von der Wiener Moderne bis heute. Siedler, München 2012, ISBN 3-88680-945-5.

Literatur[ännern | Bornkood ännern]

  • Gerhard Danzer: Eric Kandel. In: Ders.: Wer sind wir? Auf der Suche nach der Formel des Menschen: Anthropologie für das 21. Jahrhundert – Mediziner Philosophen und ihre Theorien, Ideen und Konzepte. Springer, Berlin/Heidelbarg/New York 2011, ISBN 978-3-642-16992-2, S. 475–486.
  • The arts, sciences, and literature (= International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Bd. 2). Hrsg. v. Herbert A. Straus, Werner Röder. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2, Tl. 1, S. 590.

Filmografie[ännern | Bornkood ännern]

Weblenken[ännern | Bornkood ännern]

Commons-logo.svg Eric Richard Kandel. Mehr Biller, Videos oder Audiodateien to’t Thema gifft dat bi Wikimedia Commons.

Enkeld Nahwiesen[ännern | Bornkood ännern]

  1. Oona Kroisleitner: Ein Andenken an Leid und Unrecht am Alsergrund, in: Tageszeitung Der Standard, Wien, 22. August 2016, S. 9
  2. Namensgebung Eric-Kandel-Gymnasium: Der Nobelpreisträger fühlt sich geehrt, ahrensburg24.de, 11. September 2015, afropen an‘ 12. September 2015.
  3. „Es ging so viel verloren.“ Der Hirnforscher Eric Kandel wünscht sich den Wiederaufbau einer jüdischen Gesellschaft in Wien In: Die Zeit van‘ 16. Juli 2009
  4. Filmfonds-Wien Petra Seeger: Auf der Suche nach dem Gedächtnis – Der Hirnforscher Eric Kandel, TV-Dokumentatschoon 2008.